7000 Menschen in SH haben pädophile Neigungen – Kampagne startet in Kiel
Rund 7000 Menschen in Schleswig-Holstein sollen pädophile Neigungen haben. In Kiel startet heute die Kampagne „Kein Täter werden“.
In Kiel startet erneut die Kampagne „Kein Täter werden“. Sie richtet sich an Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen – bevor es zu einer Straftat kommt. Rund 75.000 Euro stellt das Land Schleswig-Holstein für die diesjährige Öffentlichkeitskampagne bereit.
Kiel. Großflächenplakate, digitale Werbedisplays und Videos in den sozialen Netzwerken: In Kiel startet am Mittwoch, 23. September, die neue Informationskampagne des Projekts „Kein Täter werden“.
Das Ziel ist klar: Menschen mit pädophilen Neigungen sollen möglichst früh professionelle Hilfe erhalten – bevor Kinder zu Opfern sexueller Gewalt werden.
Hinter dem Angebot steht das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. Unterstützt wird die Kampagne vom schleswig-holsteinischen Justiz- und Gesundheitsministerium.
Quelle: Kein Täter werden
Hilfe, bevor eine Straftat passiert
Das Präventionsangebot richtet sich an Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, bislang aber nicht wegen eines entsprechenden Sexualdelikts straffällig geworden sind.
Sie können sich in der Kieler Präventionsambulanz anonym und kostenlos beraten, untersuchen und behandeln lassen. Die Therapie findet unter Schweigepflicht statt.
Menschen, die bereits einschlägig straffällig geworden sind, können nicht über das Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ behandelt werden. Für sie bestehen jedoch andere tätertherapeutische Angebote des Instituts für Sexualmedizin und Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am ZIP.
Land gibt rund 75.000 Euro
Schleswig-Holstein unterstützt die diesjährige Kampagne mit rund 75.000 Euro.
Justiz- und Gesundheitsministerin Prof. Dr. Kerstin von der Decken betont, dass die Öffentlichkeitsarbeit bereits seit 2019 vom Justizministerium finanziert werde.
Dabei gehe es nicht nur darum, Betroffene zu erreichen. Auch in der Gesellschaft müsse stärker zwischen einer pädophilen Sexualpräferenz und sexuellem Kindesmissbrauch unterschieden werden.
Pädophilie und sexueller Missbrauch seien nicht automatisch gleichzusetzen. Entscheidend sei, Menschen dabei zu unterstützen, ihre sexuelle Präferenz nicht auszuleben und Kindern keinen Schaden zuzufügen.
Wer den Mut fasse, sich Hilfe zu suchen, müsse darin bestärkt werden. Auch das sei Prävention und damit Kinderschutz.
Schätzung: Rund 7000 Betroffene in Schleswig-Holstein
Nach Angaben des UKSH wird geschätzt, dass sich in Schleswig-Holstein rund 7000 Menschen sexuell zu Kindern hingezogen fühlen.
Pädophilie ist eine sexuelle Präferenz, die nach Angaben des Projekts nicht geheilt oder beseitigt werden kann. Sie kann jedoch kontrolliert werden.
Von einer pädophilen Störung wird gesprochen, wenn Betroffene selbst darunter leiden oder wenn durch sexuelle Übergriffe Leid bei Kindern verursacht wird.
Genau hier setzt das Präventionsprojekt an.
200 Menschen suchten 2025 Kontakt in Kiel
Wie groß der Bedarf ist, zeigen Zahlen des Kieler Standorts.
Im vergangenen Jahr nahmen 200 Personen Kontakt zu „Kein Täter werden“ am Campus Kiel auf.
Aktuell werden dort 46 Menschen betreut. Davon befinden sich 31 in Therapie, elf in der Nachsorge und vier nutzen Gespräche nach Bedarf.
Zehn Therapien konnten im vergangenen Jahr abgeschlossen werden.
Kiel gehört seit 2009 zum Netzwerk
Das ursprüngliche Projekt zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs im sogenannten Dunkelfeld wurde bereits 2005 in Berlin gestartet.
In den folgenden Jahren entstanden weitere Behandlungszentren. 2011 schlossen sie sich zum bundesweiten Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ zusammen.
Der Kieler Standort besteht seit 2009 und gehört damit zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks.
Mittlerweile gibt es an zwölf Standorten in Deutschland entsprechende professionelle Hilfe. Die Behandlung erfolgt freiwillig und unter Schweigepflicht. Seit 2018 wird das Angebot als Gesundheitsleistung von den Krankenkassen finanziert.
Öffentlicher Kampagnenstart in Kiel
Offiziell vorgestellt wird die Kampagne am Mittwoch, 23. September, bei einer öffentlichen Veranstaltung in Kiel.
Neben einem Grußwort von Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken sind wissenschaftliche Vorträge vorgesehen. Außerdem wird der Film „Feuerspiel“ gezeigt. Anschließend soll es einen Austausch mit der Regisseurin geben.
Die Veranstaltung ist kostenlos und steht allen Interessierten offen.
Termin:
Symposium und Kampagnenstart „Kein Täter werden“
Mittwoch, 23. September 2026
12 bis 17 Uhr
Seeburg
Düsternbrooker Weg 2, Kiel
Weitere Informationen zum Präventionsangebot gibt es unter kein-taeter-werden.sh.
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft.