Waldbrandgefahr in Kiel: Wie gefährlich ist es aktuell?

Nach dem großen Waldbrand in NRW: Wie hoch ist die Waldbrandgefahr aktuell in Kiel und wie wäre die Stadt auf einen größeren Brand vorbereitet?

Waldbrandgefahr in Kiel: Wie gefährlich ist es aktuell?

Hunderte Hektar Wald in Flammen, Evakuierungen und zeitweise bis zu 1.800 Einsatzkräfte: Der Großbrand im Hürtgenwald hat gezeigt, wie schnell ein Waldbrand auch in Deutschland zu einer Katastrophe werden kann. Doch wie sieht es aktuell in Kiel aus? KielRadar hat geprüft, wie hoch die Waldbrandgefahr derzeit tatsächlich ist – und welche Kräfte im Ernstfall zur Verfügung stehen würden.

Die Bilder aus Nordrhein-Westfalen waren gewaltig: Seit Donnerstag, 13. August, brannte es im Hürtgenwald im Kreis Düren. Zeitweise wurden 200 bis 300 Hektar als betroffen angegeben. Mehr als 2.000 Menschen mussten den Ortsteil Gey verlassen. Neben Feuerwehr und THW waren unter anderem Bundeswehr, Hubschrauber und schweres Gerät im Einsatz. Am Sonntag, 16. August, konnte schließlich Entwarnung gegeben werden: Der Waldbrand ist inzwischen unter Kontrolle. (tagesschau.de⁠)

Doch ein Blick nach Kiel zeigt: Auch unsere Stadt besteht keineswegs nur aus Straßen, Häusern und Förde.

Mehr als 1.100 Hektar Wald mitten in Kiel

Nach Angaben der Landeshauptstadt verfügt Kiel über mehr als 1.100 Hektar Wald. Etwas mehr als zehn Prozent der gesamten Stadtfläche sind bewaldet.

Dazu gehören unter anderem das Projensdorfer Gehölz, das Düsternbrooker Gehölz, das Viehburger Gehölz und das Hasseldieksdammer Gehölz. Allerdings liegen diese Waldflächen nicht als ein riesiges zusammenhängendes Waldgebiet vor, sondern verteilen sich über verschiedene Teile des Stadtgebiets. (Kiel⁠)

Ein direkter Vergleich mit einem großflächigen Waldgebiet wie dem Hürtgenwald ist deshalb nur eingeschränkt möglich.

Trotzdem gilt: Wald- und Vegetationsbrände sind auch in Kiel grundsätzlich möglich.

Wie gefährlich ist es aktuell in Kiel?

Hier gibt es zunächst eine beruhigende Nachricht.

Der Deutsche Wetterdienst führt Kiel-Holtenau am Sonntag, 16. August, beim Waldbrandgefahrenindex auf Stufe 3 von 5.

Das bedeutet: mittlere Waldbrandgefahr.

Der Waldbrandgefahrenindex des DWD beschreibt das wetterbedingte Potenzial für die Entstehung und Ausbreitung von Waldbränden. Die Skala reicht von Stufe 1 – sehr geringe Gefahr – bis Stufe 5 – sehr hohe Gefahr. (Wettergefahren⁠)

Für Kiel-Holtenau sieht die aktuelle DWD-Prognose sogar eine Entspannung vor:

Sonntag: Stufe 3
Montag: Stufe 3
Dienstag: Stufe 2
Mittwoch: Stufe 1
Donnerstag: Stufe 1

Damit befindet sich Kiel derzeit nicht in einer akuten extremen Waldbrandlage. Die beiden höchsten Gefahrenstufen 4 und 5 werden für Kiel in dieser Prognose nicht erreicht. (Wettergefahren⁠)

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Feuer ausgeschlossen wäre. Der Index beschreibt die meteorologische Gefahr – er sagt nicht voraus, ob tatsächlich irgendwo ein Brand entsteht.

Und wenn es trotzdem brennt?

Dann verfügt Kiel zunächst über eine vergleichsweise umfangreiche Feuerwehrstruktur.

Die Berufsfeuerwehr arbeitet nach einem Drei-Wachen-Prinzip: Hauptfeuerwache am Westring, Feuer- und Rettungswache Ost in Gaarden sowie die Nordwache in Holtenau.

Quelle: FW-Kiel | Facebook

Auf der Hauptwache befinden sich rund um die Uhr mindestens 21 Einsatzkräfte, auf der Ostwache 19 und auf der Nordwache 14. Die Stadt gibt für Haupt- und Ostwache jeweils einen vollständigen Löschzug an. (Kiel⁠)

Ein Kieler Standard-Löschzug besteht aus:

  • einem Einsatzleitwagen,

  • zwei Hilfeleistungslöschfahrzeugen,

  • einer Drehleiter

  • und insgesamt zwölf Einsatzkräften.

Die Hilfeleistungslöschfahrzeuge verfügen jeweils über einen 2.000-Liter-Löschwassertank und eine Pumpe, die bei zehn Bar bis zu 2.000 Liter Wasser pro Minute fördern kann. (Kiel⁠)

Die Nordwache verfügt zusätzlich über ein Tanklöschfahrzeug. (Kiel⁠)

Im Großbrand würden deutlich mehr Kräfte kommen

Bei einem Waldbrand in der Größenordnung des Hürtgenwaldes wäre ein Einsatz allerdings längst keine Aufgabe mehr für einen normalen Kieler Löschzug.

Hier wird die zweite Ebene entscheidend.

In Kiel gibt es zusätzlich zur Berufsfeuerwehr zehn Freiwillige Feuerwehren mit rund 500 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten. Bei größeren Einsätzen können die Ortswehren auch außerhalb ihres eigenen Ausrückebereichs im gesamten Kieler Stadtgebiet eingesetzt werden. (Kiel⁠)

Die Stadt nennt außerdem ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Freiwilligen Feuerwehren, Bundeswehrfeuerwehr, Betriebsfeuerwehren und dem Technischen Hilfswerk als Bestandteil ihrer Gefahrenabwehr. (Kiel⁠)

Quelle: FW-Kiel | Facebook

Und darüber hinaus existieren landesweite Strukturen.

Der Katastrophenschutz Schleswig-Holsteins verfügt im Modul Brandschutz über 15 landeseigene Brandschutzbereitschaften. Jede davon besteht aus drei Zügen mit jeweils zwei Löschfahrzeugen Katastrophenschutz – also sechs entsprechenden Löschfahrzeugen je Bereitschaft plus Führungseinheit. (schleswig-holstein.de⁠)

Ein extremes Feuer würde deshalb nicht ausschließlich mit Kieler Kräften bekämpft werden müssen. Bei einer entsprechenden Großschadenslage könnten weitere Strukturen des Katastrophenschutzes hinzugezogen werden.

Aber wäre Kiel auf einen riesigen Waldbrand vorbereitet?

Eine pauschale Antwort wie „Kiel könnte jeden Waldbrand problemlos bewältigen“ wäre unseriös.

Ein Feuer über mehrere hundert Hektar wäre auch für Kiel eine außergewöhnliche Großschadenslage und würde sehr wahrscheinlich umfangreiche überörtliche Unterstützung notwendig machen.

Genau das zeigt allerdings auch der Hürtgenwald: Dort waren ebenfalls nicht nur die örtlichen Feuerwehren im Einsatz. Polizei, THW, Hilfsorganisationen, Bundeswehr, Hubschrauber, schweres Gerät sowie Einsatzkräfte aus anderen Regionen wurden hinzugezogen. (tagesschau.de⁠)

Für Kiel lässt sich anhand der öffentlich verfügbaren Informationen aber festhalten: Es gibt eine Berufsfeuerwehr mit drei Wachen, zehn Freiwillige Feuerwehren, Tank- und Löschfahrzeuge, eine zentrale Leitstelle und zusätzliche Katastrophenschutzstrukturen auf Landesebene.

Was passiert, wenn Anwohner gewarnt werden müssen?

Auch dafür bestehen mehrere Systeme.

Die Landeshauptstadt kann die Bevölkerung unter anderem über Warn-Apps, Sirenen, Stadtinformationstafeln, Internetseiten, soziale Medien, Rundfunk und Fernsehen sowie Cell Broadcast direkt auf Mobiltelefone warnen. Mit einer Warnung sollen gleichzeitig konkrete Handlungsempfehlungen veröffentlicht werden. (Kiel⁠)

Fazit: Muss Kiel Angst vor einem Waldbrand haben?

Aktuell nein – leichtfertig sollte man das Thema aber ebenfalls nicht behandeln.

Am 16. August gilt in Kiel Waldbrandgefahrenstufe 3 von 5. In den kommenden Tagen soll die Gefahr laut aktuellem DWD-Modell sogar deutlich zurückgehen.

Gleichzeitig besitzt Kiel mehr als 1.100 Hektar Waldfläche. Ein größerer Vegetations- oder Waldbrand wäre damit grundsätzlich auch hier möglich.

Die Dimensionen aus Nordrhein-Westfalen zeigen vor allem eines: Wenn Trockenheit, Wind und ein Brand gleichzeitig zusammenkommen, können selbst deutsche Regionen innerhalb kurzer Zeit mit einem außergewöhnlich großen Feuer konfrontiert werden.

Für Kiel gibt es derzeit keinen Grund für Panik – aber genügend Gründe, die Waldbrandgefahr im Sommer ernst zu nehmen.

Quellen

Deutscher Wetterdienst, Landeshauptstadt Kiel, Innenministerium Schleswig-Holstein, Feuerwehr Kiel, Tagesschau/WDR.

📲 Keine KielRadar-Nachrichten verpassen: KielRadar kann direkt zum Homescreen hinzugefügt werden , eine Anleitung findet ihr in den Einstellungen. Alternativ könnt ihr unserem WhatsApp-Kanal folgen.

Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI recherchiert und geschrieben und redaktionell überprüft.