TKKG Kiel: Wer steckt hinter der Blockade bei TKMS?

Aktivisten blockieren Zufahrten zur TKMS-Werft in Kiel. Doch wer ist die TurboKlimaKampfGruppe Kiel und welche Ziele verfolgt TKKG?

TKKG Kiel: Wer steckt hinter der Blockade bei TKMS?

Der Name steht für „TurboKlimaKampfGruppe“

TKKG bedeutet in diesem Zusammenhang nicht die bekannte Jugendbuchreihe, sondern „TurboKlimaKampfGruppe Kiel“.

Die Gruppe entstand nach eigener Darstellung im Jahr 2016. Damals schlossen sich Klimaaktivisten zusammen, um für Klimacamps und Aktionen des Bündnisses Ende Gelände zu mobilisieren. In den ersten Jahren lagen die Schwerpunkte vor allem auf dem Kohleausstieg, dem Klimawandel und der sogenannten Klimagerechtigkeit. (TKKG⁠)

Aus dieser ursprünglichen Klimagruppe entwickelte sich im Laufe der Jahre jedoch ein politisch deutlich breiter aufgestelltes Kollektiv.

Heute geht es um weit mehr als Klimaschutz

Wer bei TKKG ausschließlich an eine Umwelt- oder Klimaschutzgruppe denkt, greift inzwischen zu kurz.

Auf ihren eigenen Internetseiten beschäftigt sich die Gruppe unter anderem mit:

  • Verkehr und Straßenbau,

  • Kreuzfahrtschiffen,

  • Kohle und Erdgas,

  • Landwirtschaft und Tierrechten,

  • Migration und offenen Grenzen,

  • queeren Themen,

  • Polizei und staatlicher Überwachung,

  • Gefängnissen und Strafverfolgung,

  • Antifaschismus,

  • Kapitalismuskritik,

  • Bundeswehr und militärischer Aufrüstung.

Die Gruppe verbindet ökologische Forderungen mit einer grundsätzlichen Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem und an verschiedenen staatlichen Institutionen. Sie fordert beispielsweise einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, lehnt weiteren Autobahnausbau ab und spricht sich gegen Abschiebungen sowie für die Abschaffung von Grenzen aus. (TKKG⁠)

Auch der Widerstand gegen die Bundeswehr, Rüstungskonzerne und eine stärkere Militarisierung ist inzwischen ein eigenständiger Schwerpunkt. Die Blockade bei TKMS ist deshalb keine vollkommen neue Richtung, sondern passt zur politischen Entwicklung der Gruppe.

(FotoQuelle: TKKG-Kiel)

TKKG setzt bewusst auf Blockaden und Besetzungen

TKKG ist keine klassische Bürgerinitiative und auch kein gewöhnlicher Umweltverein.

Die Gruppe bezeichnet sich selbst als aktionsorientiert. Neben Vorträgen, Filmabenden, Demonstrationen und Kundgebungen gehören ausdrücklich auch Blockaden und Besetzungen zu ihrem Aktionsrepertoire.

Besonders deutlich ist die eigene Aussage zum Verhältnis gegenüber geltenden Gesetzen: Die Gruppe erklärt, gemeinsam zu entscheiden, welche Handlungen sie für legitim und angemessen hält. Sie wolle eine Aktion nicht allein deshalb beenden, weil sie gesetzlich verboten sei. (TKKG⁠)

Damit macht TKKG selbst deutlich, dass bei bestimmten Aktionen bewusst mögliche Rechtsverstöße in Kauf genommen werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Veranstaltung der Gruppe illegal ist. TKKG organisiert ebenfalls öffentlich angekündigte Demonstrationen, Workshops, Vorträge und Informationsveranstaltungen. Ob eine Aktion gegen Gesetze verstößt, muss jeweils anhand des konkreten Ablaufs geprüft werden.

Keine öffentlich erkennbare Führung

Über den internen Aufbau der Gruppe ist nur wenig bekannt.

Eine öffentlich sichtbare klassische Vereinsstruktur mit Vorstand, Vorsitzenden oder einer offiziellen Mitgliederliste ist nicht erkennbar. Auch eine zuverlässige Mitgliederzahl ist nicht bekannt.

Auf ihrer Internetseite erklärt TKKG lediglich, dass sich die Gruppe regelmäßig montags trifft. Interessierte können über eine E-Mail-Adresse oder die Social-Media-Kanäle Kontakt aufnehmen. Zusätzlich bietet die Gruppe verschlüsselte Kommunikation über einen veröffentlichten PGP-Schlüssel an. (TKKG⁠)

Bei Aktionen treten teilweise einzelne Personen als Pressekontakt auf. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, ob diese Personen die Gruppe dauerhaft leiten.

TKKG wirkt öffentlich eher wie ein loses, basisorientiertes Kollektiv. Zudem ist nicht automatisch jede Person, die an einer Aktion teilnimmt, festes Mitglied der Gruppe.

Seit Jahren mit Blockaden in Kiel aktiv

Die Blockade bei TKMS ist nicht die erste Aktion dieser Art.

In den vergangenen Jahren beteiligte sich TKKG unter anderem an Protesten gegen den Ausbau von Autobahnen und weiteren Straßenprojekten. Dazu gehörten Blockaden, Aktionen auf Baustellen und das Abseilen von Autobahnbrücken.

(Fotoquelle:TKKG Kiel)

Auch gegen Kreuzfahrtschiffe im Kieler Hafen, fossile Energieträger und LNG-Infrastruktur trat die Gruppe wiederholt in Erscheinung. Bei früheren Protesten wurden unter anderem Straßen, Autobahnzufahrten oder Baustellen zeitweise blockiert. (KN – Kieler Nachrichten⁠)

Parallel dazu organisierte TKKG Veranstaltungen und Demonstrationen zu Polizei, Gefängnissen, Antifaschismus und anarchistischen Gesellschaftsvorstellungen. Im Frühjahr 2026 bot die Gruppe beispielsweise Veranstaltungen zur Geschichte und Bedeutung des Anarchismus an. (TKKG⁠)

Verfassungsschutz stuft die Gruppe als linksextremistisch ein

Der Verfassungsschutz Schleswig-Holstein ordnet TKKG dem linksextremistischen Spektrum zu.

Im Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2025 wird die „TurboKlimaKampfGruppe Kiel“ ausdrücklich als linksextremistische Gruppierung bezeichnet. Die Behörde beschreibt zudem eine Zusammenarbeit mit der Roten Hilfe, beispielsweise bei einer Veranstaltung zum Thema Gefängnis und Solidarität mit Inhaftierten. (schleswig-holstein.de⁠)

Bereits im Bericht für das Jahr 2024 verwies der Verfassungsschutz auf eine enge Zusammenarbeit zwischen TKKG und der Roten Hilfe Kiel. Genannt wurden gemeinsame Veranstaltungen und Demonstrationen, die sich gegen Polizei, Gefängnisse und staatliche Strafverfolgung richteten. (schleswig-holstein.de⁠)

Die Einstufung bedeutet allerdings nicht, dass TKKG verboten ist. Sie bedeutet ebenfalls nicht, dass automatisch jedes Mitglied eine Straftat begeht oder jede Veranstaltung der Gruppe rechtswidrig ist.

Einzelne mögliche Verstöße müssen weiterhin von Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten geprüft werden.

Warum richtet sich die Gruppe gegen TKMS?

TKMS gehört zu den bedeutendsten deutschen Herstellern von militärischen U-Booten und Marineschiffen. Für eine Gruppe, die militärische Aufrüstung und Rüstungsproduktion grundsätzlich ablehnt, ist die Kieler Werft daher ein naheliegendes Protestziel.

TKKG und die beteiligten Aktivisten begründen die aktuelle Blockade mit ihrer Ablehnung von Waffenproduktion, Aufrüstung und militärischen Konflikten.

Dabei muss klar getrennt werden: Die politischen Vorwürfe gegen das Unternehmen stammen von den Aktivisten. Die tatsächlichen Auswirkungen der Blockade sowie mögliche Rechtsverstöße werden dagegen von Polizei, Unternehmen und gegebenenfalls der Justiz bewertet.

Nach der eigenen Darstellung der Gruppe begann die Aktion gegen 4.20 Uhr am Haupteingang. Eine zweite Zufahrt sei wenige Minuten später blockiert worden. Gegen 10.15 Uhr sei die Räumung angekündigt worden. Diese Angaben stammen direkt von TKKG und stellen daher die eigene Version des Ablaufs dar. (TKKG⁠)

(Fotoquelle:TKKG Kiel)

Eine kleine Gruppe mit sichtbarer Wirkung

Wie viele feste Mitglieder TKKG tatsächlich hat, ist öffentlich nicht bekannt. Die Zahl dürfte deutlich unter der Anzahl der Follower in den sozialen Netzwerken liegen.

Trotzdem gelingt es der Gruppe seit Jahren, mit vergleichsweise wenigen Beteiligten öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Besonders Blockaden an Werften, Autobahnen, Zufahrten oder Baustellen können bereits mit einer kleinen Gruppe erhebliche Polizeieinsätze und mediale Berichterstattung auslösen.

Dabei arbeitet TKKG je nach Thema auch mit anderen linken, antifaschistischen oder klimapolitischen Gruppen zusammen. Eine Zusammenarbeit bei einzelnen Aktionen bedeutet jedoch nicht automatisch, dass diese Organisationen zu TKKG gehören oder sämtliche Positionen der Gruppe teilen.

Fazit

Hinter der Blockade bei TKMS steht keine neu entstandene Protestbewegung. TKKG Kiel ist seit 2016 aktiv und hat sich von einer radikalen Klimagruppe zu einem breiter aufgestellten linksradikalen Aktionskollektiv entwickelt.

Die Gruppe beschäftigt sich heute nicht nur mit Klimaschutz, sondern auch mit Kapitalismus, Polizei, Gefängnissen, Migration, Antifaschismus und militärischer Aufrüstung.

Blockaden und Besetzungen sind dabei kein Ausnahmefall, sondern ausdrücklich Teil ihres politischen Konzepts. Die Gruppe erklärt selbst, dass geltende Gesetze für sie nicht in jeder Situation die entscheidende Grenze darstellen.

Der Verfassungsschutz stuft TKKG als linksextremistisch ein. Verboten ist die Gruppe jedoch nicht. Wie die heutige Blockade rechtlich bewertet wird und welche Konsequenzen sie für einzelne Beteiligte haben könnte, müssen nun die zuständigen Behörden klären.